Immer wieder entfernen Spaziergänger vermeintlich verlassene Jungtiere aus ihrer natürlichen Umgebung. Ein allein
auf einem Feld sitzendes Feldhasenbaby oder ein Rehkitz dessen Mutter nicht zu sehen ist, verleiten viele
Spaziergänger dazu, das Jungtier anzufassen, was unweigerlich das Verstoßen des Jungtieres durch die Mutter und
somit den sicheren Tod zur Folge hat. Andere Passanten sammeln das Jungtier ein weil sie befürchten, es würde von
der Mutter nicht mehr versorgt werden. Dieses ist ein Trugschluss. Feldhasen zum Beispiel „streuen“ ihre Kinder an
verschiedene Stellen, um nicht ganze Würfe gleichzeitig zu verlieren, sollten diese durch einen Fressfeind
gefunden werden. Um keine potenziellen „Nesträuber“ auf die Jungtiere aufmerksam zu machen, sucht die Mutter ihren
Nachwuchs nur zum Säugen auf und verlässt sich ansonsten auf deren Schutz durch den nahezu komplett fehlenden
Eigengeruch und die natürliche Wildfärbung, welcher die Kleinen in Wald und Feld für Fressfeinde nahezu
unsichtbar und "unriechbar" werden lässt.
Diese falsch verstandene Tierliebe kostet Jahr für Jahr viele Jungtiere das Leben.
Die Handaufzucht von Wildtieren ist ausgesprochen schwierig und aufwändig und mit der eines domestizierten Tieres
nicht vergleichbar. Zudem ist es zwingend erforderlich, das Tier nach geglückter Aufzucht in die Natur zu
entlassen. Hierfür müssen bestimmte nicht angeborene Verhaltensweisen erlernt (z.B. das geschickte Klettern bei
Eichhörnchen) oder die Beine gestärkt werden (z.B. bei Feldhasen).
Wer hat zuhause die Möglichkeit einem ausgewachsenen Hasen, der in freier Wildbahn Geschwindigkeiten von bis zu
70 Stundenkilometern erreicht, ein adäquates Übungsgelände zur Verfügung zu stellen – und wer kann
garantieren, dass dort, wo der Hase ausgewildert wird, er nicht dem nächsten Jäger zum Opfer fällt?
Nicht umsonst erfüllt das unnötige Entnehmen eines Wildtieres aus der Natur den Straftatbestand der Wilderei.
Generell gilt „Hände weg von Jungtieren!“
Einem unversehrten Jungtier wird durch das Eingreifen in sein Leben mehr geschadet als geholfen. Als Ausnahme gilt
selbstverständlich, dass Jungtiere, die von Hunden oder Katzen „eingesammelt“ werden oder Tierkinder, deren
Mütter beispielsweise durch einen Autounfall getötet wurden, ab diesem Moment zum Überleben die Hilfe
der Menschen benötigen.
Ein sicherer Schutz gegen das Aufspüren von Jungtieren durch Hunde ist die generell einzuhaltende Leinenpflicht
bis zum 15. Juli. Hierzu mahnt auch besonders der 1. Vorsitzende der Wildtierhilfe Lüneburger Heide e.V. ,
Christian Erdmann.
Sollten Sie ein verletztes Jungtier finden, stellen Sie dieses bitte umgehend einem Tierarzt vor und besprechen Sie
mit ihm die weitere Vorgehensweise.
Bitte versuchen Sie keinesfalls auf eigene Faust das Tier zu füttern oder aufzuziehen! Sie setzen damit das Leben des
Tieres aufs Spiel!
Bei Unsicherheiten setzen Sie sich bitte mit der Wildtierstation Lüneburger Heide e.V. in Verbindung. Das Team
der Wildtierhilfe wird Ihnen kompetent weiter helfen.
Wildtierstation Lüneburger Heide e.V.
Mittelstendorf 1
29614 Soltau
www.wildtierhilfe.de
MAIL
Telefon: 05191-3968
Regionale Telefonnummern von erfahrenen Ansprechpartnern die gerne mit Rat und Tat zur Seite stehen:
Pinneberg: Petra Cremer Tel. 0172-1548751
Cuxhaven: Marit Behrens Tel. 0171/7894545
Hildesheim: Claudia Jacob Tel. 01520/1819661
Fotos:
Angela Kraft
www.tierfoto-lueneburger-heide.de
MAIL
Text:
Christina Stüven
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